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Prozessorientierung im Gleitschirmfliegen

Aktualisiert: 8. Jan.

Warum die ständige Jagd nach Ergebnissen dich langfristig blockiert – und wie der Fokus auf den Prozess dein Fliegen transformiert


Gleitschirmpilot beim XC-Streckenfliegen über den Alpen - Prozessorientierung im Paragliding
Im Flow über den Wolken – doch was passiert, wenn die Gedanken nur noch um Kilometer kreisen?

Kennst du das Gefühl, wenn du einen tollen Flug hattest und am Abend im XC-Contest siehst, dass viele andere weiter geflogen sind – und dein toller Flug plötzlich wie ein Misserfolg wirkt?


Willkommen in der Ergebnisorientierungs-Falle.


Stell dir drei Piloten vor:


Tom checkt nach jedem Flug sofort die XC-Contest Ergebnisse. Sein 100 km Flug fühlte sich großartig an – bis er sieht, dass andere 150 km geflogen sind. Plötzlich ist er frustriert. Beim nächsten Mal fliegt er über seine Grenzen, nur um "mithalten" zu können. Das Ergebnis: Stress, Druck und ein ungutes Gefühl beim Fliegen.


Sarah hingegen landet nach demselben 100 km Flug mit einem Lächeln. Sie denkt an die perfekte Thermikblase, die sie über 1000 Höhenmeter gewinnen ließ, sowie an den Moment, wo sie mit den Vögeln gekreist ist. Abends schaut sie zwar auch in den XC-Contest, aber ihre Freude bleibt ungetrübt. Sie weiß: Sie ist genau ihren Flug geflogen.


Michael fliegt eine Stunde Genussrunde, genießt die Aussicht auf die Berge, kreist entspannt in der Thermik und landet zufrieden. Keine App, kein Contest-Check – nur pure Freude am Fliegen. Seine Kollegen fragen: "Nur eine Stunde?" Er antwortet grinsend: "War perfekt."


Die Frage ist: Wer von den dreien bist du am häufigsten?

Was letzten Sommer passiert ist


Die Bedingungen waren traumhaft – und die sozialen Medien explodierten: 200 km, 250 km, 300 km. Flüge um die 100 km wirkten plötzlich "klein".


Und dann passierte etwas Verheerendes: Viele von euch begannen, ihre eigenen Flüge zu entwerten. "Nur 50 km – das poste ich nicht." "Alle anderen schaffen das Drei- bis Sechsfache."


Das ist klassische Ergebnisorientierung – und sie raubt dir das, wofür du eigentlich fliegst.


Was bedeutet Ergebnisorientierung wirklich?


Ergebnisorientierung bedeutet, dass dein Fokus ausschließlich auf dem Ziel liegt – dem Endresultat. Beim Gleitschirmfliegen sind das die geflogenen Kilometer, die erreichte Höhe, die XC-Punkte, deine Position in der Rangliste.


Wie erkennst du Ergebnisorientierung?

  • Deine Gedanken sind ständig in der Zukunft: "Wenn ich das erreiche, dann..."

  • Du bewertest dich selbst ausschließlich über das Endergebnis

  • Der Weg zum Ziel wird zur notwendigen Nebensache

  • Wird das Ziel nicht erreicht, fühlst du dich als Versager

  • Du blendest wichtige Signale aus (Körper, Intuition, Umfeld)

  • Ständiger Vergleich mit anderen wird zur Gewohnheit


Das grundlegende Problem:

Bei der Ergebnisorientierung fokussierst du dich auf Dinge, die du oft nicht vollständig kontrollieren kannst. Ob du heute 50 oder 150 Kilometer fliegst, hängt von zahllosen Faktoren ab: Wetter, Thermikentwicklung, Wind, anderen Piloten, deiner Tagesform, unvorhergesehenen Ereignissen – vieles davon liegt außerhalb deiner Kontrolle.


Diese Diskrepanz zwischen "Ich will unbedingt..." und "Ich kann aber nicht beeinflussen..." erzeugt enormen innerlichen Druck. Und dieser Druck ist Gift für deine Leistung und deine Freude am Fliegen.


Was bedeutet Prozessorientierung?


Prozessorientierung bedeutet einen fundamentalen Perspektivwechsel: Der Fokus liegt nicht auf dem Endergebnis, sondern auf dem WIE – auf dem Prozess selbst, auf dem gegenwärtigen Moment, auf dem Weg.


Wie erkennst du Prozessorientierung?

  • Deine Gedanken sind im Hier und Jetzt: "Was ist gerade wichtig?"

  • Du konzentrierst dich auf Dinge, die du tatsächlich kontrollieren kannst

  • Der Weg selbst wird zum Ziel und zur Quelle der Freude

  • "Misserfolge" werden zu wertvollen Lernerfahrungen

  • Du bist aufmerksam für Signale (Körper, Intuition, Natur)

  • Vergleich mit anderen verliert an Bedeutung


Das befreiende Prinzip:

Bei der Prozessorientierung fokussierst du dich ausschließlich auf das, was du beeinflussen kannst: Deine Technik, deine Aufmerksamkeit, deine Entscheidungen im gegenwärtigen Moment, deine Körperwahrnehmung, deine mentale Haltung.



Die zwei Programme in deinem Pilotenkopf


Jetzt, wo du die beiden Orientierungen kennst, lass mich dir zeigen, wie sie sich in deinem Kopf konkret anhören. In deinem Kopf laufen zwei grundsätzlich verschiedene Programme ab, die bestimmen, wie du das Fliegen erlebst und welche Entscheidungen du triffst:


Das Erfolgs-Programm (Ergebnisorientierung):

  • "Ich MUSS heute mindestens 200 km fliegen"

  • "Alle anderen haben schon ihre Jahrhundert-Flüge"

  • "Was poste ich bei nur 50 km?"

  • "Ich kann jetzt nicht landen, dann war der Tag umsonst"

  • "Die anderen werden denken, ich kann nicht fliegen"


Das Prozess-Programm (Prozessorientierung):

  • "Wie fühlt sich diese Thermik an?"

  • "Welche Entscheidung passt zu mir und den Bedingungen?"

  • "Bin ich gerade noch voll bei der Sache?"

  • "Wie ist mein Energielevel?"

  • "Was sagt mir mein Bauchgefühl?"


Erkennst du den fundamentalen Unterschied?

Das Erfolgs-Programm fokussiert sich auf Dinge außerhalb deiner Kontrolle (Vergleich, Zahlen, Meinungen anderer). Das Prozess-Programm fokussiert sich auf das, was du beeinflussen kannst (deine Aufmerksamkeit, Entscheidungen, Lernfortschritt).


Welches Programm bestimmt deine Entscheidungen am häufigsten?

Mach den Selbstcheck: Wo stehst du?


Bevor wir weitergehen, nimm dir einen Moment Zeit für Ehrlichkeit mit dir selbst. Lies diese Aussagen und sei ehrlich zu dir:


Du bist stark ergebnisorientiert, wenn...


  • Ein 50km-Flug sich wie Versagen anfühlt, wenn andere 150km geflogen sind

  • Du Flüge nicht postest, weil die Kilometer "zu wenig" sind

  • Du dich beim Fliegen ständig mit anderen vergleichst


Du bist prozessorientiert, wenn...


  • Du in der Luft voll im Moment bist

  • Du eine kluge Landeentscheidung als Erfolg siehst

  • Du den Flug genießt, unabhängig von anderen Piloten


Wo stehst du auf der Skala von 1-10?


Selbsttest-Skala Prozessorientierung versus Ergebnisorientierung für Gleitschirmpiloten

Die meisten Piloten liegen zwischen 3 und 5 – mit Tendenz zur Ergebnisorientierung. Und genau hier entsteht das Problem. Die gute Nachricht: Prozessorientierung ist trainierbar. Mit den Strategien weiter unten kannst du dich Schritt für Schritt in Richtung 7-8 bewegen.



Der entscheidende Unterschied in der Praxis


Lass mich dir zeigen, wie unterschiedlich sich dieselbe Situation mit beiden Mindsets anfühlt:


Situation: Du kommst nach einer Talquerung tief an – 300 Meter über Grund, kein Bart in Sicht


Tom (ergebnisorientiert) denkt:

"Nein, nicht jetzt! Ich habe erst 35 km – wenn ich jetzt absaufe, war der ganze Tag umsonst. Die Bedingungen sind heute perfekt, alle anderen fliegen ihre Jahrhundert-Flüge. Ich MUSS hier wieder hoch. Ich kann doch nicht bei diesem Traumwetter mit nur 35 km landen!"


Was in Tom vorgeht:

Seine Gedanken kreisen panisch um die verpasste Chance. "Nur 35 km", "alle anderen", "Traumwetter verschwendet". Diese mentale Anspannung blockiert seine Wahrnehmung. Er kreist hektisch, sucht verzweifelt nach Thermik – und übersieht dabei die Vögel 200 Meter weiter links, die in einem schwachen Bart steigen. Er übersieht den anderen Piloten am Bergrücken, der offensichtlich Höhe macht. Seine ganze Aufmerksamkeit ist beim Kilometerstand, nicht bei der Luft. Seine Gedanken sind in der Zukunft ("Ich schaffe die 100 km nicht!") und in der Vergangenheit ("Warum bin ich so tief gekommen?") – aber nicht im Hier und Jetzt.


Das Ergebnis:

Tom absorbiert null Informationen aus seiner Umgebung. Seine Panik frisst seine gesamte mentale Kapazität. Er landet frustriert im Tal – obwohl die Thermik da war. Abends im XC-Contest sieht er: Andere sind genau hier wieder hochgekommen. "Warum schaffe ich das nie?"


Sarah (prozessorientiert) denkt:

"Okay, ich bin tief. 300 Meter über Grund. Was nehme ich wahr? Wo könnte jetzt Thermik sein? Was sehe ich?"


Was in Sarah vorgeht:

Sarah ist voll im Hier und Jetzt. Sie scannt systematisch: Bergrücken zur Rechten – Schatten. Uninteressant. Links ein sonniger Südhang. Moment – da sind Vögel! Sie steigen. Und da – ein anderer Schirm dreht am Hang. Ihr Kopf ist klar, ihre Wahrnehmung offen. Sie nimmt wahr statt zu bewerten.

Keine Gedanken an Kilometer, keine Panik, keine Bewertung – nur reine Aufmerksamkeit für diesen Moment, für diese Luftmasse, für diese Hinweise. Sie sieht die Möglichkeiten, weil sie nicht von der "Ich darf nicht landen"-Panik blockiert ist.


Das Ergebnis:

Sarah fliegt zu den Vögeln, findet schwache Thermik, arbeitet sich geduldig hoch. Nach 30 Minuten ist sie wieder auf 1.200 Meter und kann weiterfliegen. Vielleicht wird es ein 100 km Flug, vielleicht auch nicht. Aber sie hat die Chance genutzt, weil sie gesehen hat, was da war – weil sie im Moment war.


Der entscheidende Unterschied:

Tom verliert durch seinen Ergebnis-Fokus die Wahrnehmung für den Moment. Seine Gedanken sind überall – nur nicht im Hier und Jetzt. Sarah behält durch ihren Prozess-Fokus die volle Aufmerksamkeit für die Luft, für das Jetzt, für das, was gerade ist.


Beide wollen weiterfliegen – aber nur Sarah kann es, weil ihr Kopf im gegenwärtigen Moment ist.



Für Leistungssportler: Beides hat seinen Platz


An dieser Stelle ist mir eine wichtige Klarstellung wichtig: Ich sage NICHT, dass Ergebnisorientierung grundsätzlich schlecht ist oder dass du keine ambitionierten Ziele haben solltest.


Für Wettkampfpiloten und Leistungssportler ist Ergebnisorientierung sogar ein wichtiger Motivationsfaktor. Ohne klare Ziele ("Ich will diese 200 km Strecke schaffen", "Ich will mich für die EM qualifizieren") fehlt die Richtung und der langfristige Antrieb.


Das optimale Verhältnis – so machen es die Profis:


Langfristige Ergebnisorientierung (für die Planung):

  • Klare Saisonziele setzen

  • Wettkampfziele definieren

  • Große Projekte planen

  • Diese geben Richtung und langfristige Motivation


Kurzfristige Prozessorientierung (für die Umsetzung):

  • Im Training fokussiert auf den Lernprozess

  • Im Wettkampf selbst voll im Moment

  • An jedem einzelnen Flugtag liegt der Fokus auf dem, was du kontrollieren kannst

  • Die Fähigkeit, im entscheidenden Moment vom "Ich will gewinnen / ... den weiten Flug machen" zum "Ich bin voll da" zu wechseln


Die erfolgreichsten Sportler kombinieren beide: Sie haben große Ziele (Ergebnisorientierung für die Richtung), aber sie erreichen diese durch konsequenten Fokus auf den Prozess (Prozessorientierung in der Umsetzung).


Auch als Leistungssportler profitierst du davon, regelmäßig zu deinen ursprünglichen Motivationen zurückzukehren. Denn paradoxerweise führt weniger Verkrampfung oft zu besseren Leistungen – gelassenere Piloten treffen klarere Entscheidungen und gehen kalkuliertere Risiken ein.



Was uns der Spitzensport lehrt


Dieses Phänomen ist nicht neu. Die erfolgreichsten Athleten in allen Sportarten haben es längst verstanden:


Tennis-Legende Roger Federer: "Ich denke nie daran zu gewinnen, wenn ich spiele. Ich denke nur an den nächsten Punkt."


Das Paradox: Je weniger er an das Endergebnis dachte, desto erfolgreicher wurde er. 20 Grand-Slam-Titel sprechen für sich – erreicht durch konsequenten Fokus auf den Prozess, nicht auf das Ergebnis.



Warum Prozessorientierung zu besseren Ergebnissen führt


Das Paradoxe an der Prozessorientierung: Sie führt langfristig zu besseren Ergebnissen als die direkte Ergebnisorientierung. Das klingt widersprüchlich, ist aber durch Forschung und Praxis vielfach belegt. Warum funktioniert das?


1. Weniger Druck = klarere Entscheidungen

Ohne den selbst auferlegten Ergebnis-Druck bleibt dein Kopf klar. Du triffst rationalere Entscheidungen, erkennst Gefahren früher, nutzt Chancen besser. Du gehst kalkulierte Risiken ein statt übertriebene. Du bleibst länger in deinem optimalen Leistungsbereich, statt dich zu überfordern.


2. Mehr Aufmerksamkeit für den Moment = besseres Fliegen

Wenn dein Kopf nicht ständig in der Zukunft ist ("Schaffe ich die 100km?"), hast du volle Aufmerksamkeit für das Jetzt. Du zentrierst die Thermik präziser, spürst Veränderungen in der Luft früher, fliegst effizienter. Diese Präsenz macht den Unterschied zwischen gutem und exzellentem Fliegen.


3. Besseres Energiemanagement = längere Flüge

Prozessorientierung hilft dir, auf deinen Körper zu hören. Du erkennst früher, wann du trinken solltest, wann eine kurze mentale Pause nötig ist, wann deine Konzentration nachlässt. Paradoxerweise führt diese Achtsamkeit dazu, dass du länger leistungsfähig bleibst – und dadurch auch weiter fliegst.


4. Mehr Flow = beste Leistung

Flow – dieser Zustand mühelosen, hochkonzentrierten Handelns – entsteht nur im Hier und Jetzt. Nie in Gedanken über die Zukunft. Und im Flow bringst du deine beste Leistung, fast automatisch, ohne Anstrengung. Die besten Flüge entstehen im Flow.


5. Nachhaltige Motivation

Ergebnisorientierung führt langfristig oft zu Frustration und Burnout – wenn die Ziele nicht erreicht werden, bricht die Motivation zusammen. Prozessorientierung schafft intrinsische, nachhaltige Motivation: Du liebst das Fliegen selbst, nicht nur die Zahlen. Diese Motivation trägt dich auch durch schwierige Phasen.


6. Kontinuierliches Lernen

In der Prozessorientierung wird jeder Flug zur Lernerfahrung. Ein 20-Kilometer-Flug mit gutem Thermikzentrieren ist ein Erfolg. Ein früh beendeter Flug aufgrund kluger Entscheidung ist ein Erfolg. Diese Perspektive lässt dich schneller wachsen als jemand, der nur "Erfolg" oder "Misserfolg" kennt.



Erfolgsgeschichte aus der Praxis


Martin (Name geändert) kam nach 5 Jahren Flugerfahrung zu mir – frustriert, weil er nie über 70 km hinauskam. Jeder Flug begann mit "Heute muss ich...", sein Kopf war permanent beim Kilometerzähler.


Wir entwickelten sein "LUFT"-Prinzip:

L – Lernen steht im Vordergrund

U – Umgebung und Natur bewusst wahrnehmen

F – Freude am Fliegen behalten

T – Tagesform ehrlich einschätzen


Nach 3 Monaten: "Ich fliege entspannter – und paradoxerweise weiter. Letzten Monat mein erster 120 km Flug. Aber das Beste: Auch meine 40 km Flüge fühlen sich jetzt gut an."



4 konkrete Strategien für mehr Prozessorientierung


Genug Theorie. Hier sind praktische Werkzeuge, die du sofort umsetzen kannst:



1. Die Vor-Flug-Intention


Setze dir vor jedem Flug eine Prozess-Intention statt eines Ergebnis-Ziels.


Statt: "Heute will ich 80 Kilometer fliegen."


Besser: "Heute konzentriere ich mich darauf, die Thermik aufmerksam zu lesen und bewusste Entscheidungen zu treffen."


Noch besser – die Kombination: "Mein Traum wären heute 80 Kilometer. Aber mein Fokus liegt darauf, die Thermik aufmerksam zu lesen und kluge Entscheidungen zu treffen. Die Kilometer kommen dann von selbst."


Wichtig: Kilometerziele haben auf alle Fälle ihren Platz – als langfristige Richtung und Motivation. Sie sollten aber niemals zur Messlatte deines Selbstwerts werden. Deine Prozess-Intention ist das, worauf du dich während des Flugs konzentrierst.


Weitere Prozess-Intentionen:

  • "Heute will ich voll im Moment sein"

  • "Heute übe ich, auf mein Bauchgefühl zu hören"

  • "Heute genieße ich jeden Bart bewusst"


Diese kleine Veränderung vor dem Start verschiebt deinen gesamten mentalen Fokus.



2. Die 3-Fragen-Methode während des Flugs


Stelle dir in regelmäßigen Abständen (z.B. nach jedem Bart oder alle 15 Minuten) drei einfache Fragen:


  1. "Wie fühle ich mich jetzt gerade?" (Körpercheck: Energie, Anspannung, Müdigkeit)

  2. "Wo ist meine Aufmerksamkeit?" (Fokuscheck: Im Moment oder schon beim Ergebnis?)

  3. "Was ist jetzt das Wichtigste?" (Prioritätencheck: Weiter oder landen? Höhe oder Strecke?)


Diese drei Fragen holen dich immer wieder zurück ins Hier und Jetzt – das Herzstück der Prozessorientierung.



3. Das neue Prozess-Flugbuch


Führe nach jedem Flug ein kurzes Tagebuch – aber notiere KEINE Kilometer oder Höhenmeter. Notiere stattdessen diese 4 Dinge:


  1. Was habe ich heute technisch gelernt?

    (Z.B. "Ich habe heute zum ersten Mal flache Thermik gut genutzt")


  2. Welche Entscheidung war besonders klug?

    (Z.B. "Ich habe bewusst gelandet, als ich müde wurde")


  3. Wann war ich heute im Flow?

    (Z.B. "Beim Zentrieren in diesem einen starken Bart um 14 Uhr")

  4. Was hat mich wirklich glücklich gemacht?

    (Z.B. "Die Stille über den Wolken, als ich mit den Vögeln gekreist bin")

Nach 4 Wochen wirst du erstaunt sein, wie sich dein Fokus und dein Erleben verschoben haben.



4. Die Erfolgs-Neudefinition


Definiere bewusst und schriftlich neu, was für dich ein "erfolgreicher Flugtag" bedeutet.

Alte Definition:

  • Lange Strecke geflogen

  • Neue persönliche Bestleistung

  • Gute XC-Contest-Punkte

  • Besser als andere

  • "Vorzeigbare" Zahlen

Neue Definition:

  • Etwas Neues gelernt (technisch oder mental)

  • Bewusste, kluge Entscheidungen getroffen

  • Momente im Flow erlebt

  • Freude und Dankbarkeit gespürt

  • Auf meinen Körper gehört

Schreib deine neue Definition auf und häng sie an einen Ort, wo du sie oft siehst. Mit dieser neuen Messlatte wird plötzlich fast jeder Flug zum Erfolg – weil du den Maßstab verändert hast.



Deine persönliche Reflexion


Nimm dir jetzt 5 Minuten Zeit und beantworte ehrlich für dich:


  1. Wer von den drei Piloten bin ich meistens? (Tom, Sarah oder Michael?)

  2. Wo stehe ich auf der Skala von 1-10? (Markiere deine Position ehrlich)

  3. Welche inneren Gedanken erkenne ich bei mir? (Aus den "zwei Programmen" – erkennst du dein eigenes Denken wieder?)

  4. Wann war ich das letzte Mal richtig glücklich in der Luft? (Schreib den konkreten Moment auf)

  5. Was war an diesem Moment anders? (Warst du vielleicht mehr im Prozess, weniger im Kopf?)

  6. Welche Strategie probiere ich als erstes aus? (Die probiere ich bei meinem nächsten Flug)


Schreib deine Antworten auf. Ehrlich. Nur für dich. Diese 5 Minuten können der Wendepunkt sein.



Mein Fazit: Vom reinen Kilometer-Jäger zum bewussten Flieger


Die Unterscheidung zwischen Prozess- und Ergebnisorientierung ist keine akademische Theorie – es ist eine praktische Entscheidung, die du in jedem Moment treffen kannst. Eine Entscheidung, die darüber bestimmt, ob du das Fliegen als Stress oder als Freude erlebst.


Die Wahrheit, die ich in meiner Arbeit immer wieder sehe: Die Piloten, die am weitesten fliegen, denken während des Fluges sehr wenig an Kilometer. Sie sind so im Prozess versunken – im Spüren der Thermik, im Lesen der Luft, im Moment-Sein – dass große Flüge wie von selbst entstehen.


Prozessorientierung bedeutet nicht, dass Streckenziele unwichtig werden. Sie werden zu dem, was sie sein sollten: das natürliche Ergebnis kontinuierlichen Lernens und bewussten Fliegens.


Der beste Pilot ist vielleicht auch nicht der mit den meisten Kilometern, sondern der mit der besten Urteilskraft. Und die entwickelst du nur, wenn du im Moment bleibst, auf dich hörst und aus Freude fliegst statt aus Druck.


Also: Wie willst du in Zukunft fliegen?


Happy Landings und bewusste Flüge!


Britta



P.S. Du merkst, dass du Unterstützung brauchst?

In meinen Workshops arbeiten wir intensiv an deiner persönlichen Prozessorientierung – mit konkreten Übungen, ehrlichem Feedback und praktischer Umsetzung in der Luft.


Kommende Termine 2026:

  • Mental stark in die Flugsaison: Februar 2026, Werfenweng

  • Level Up Pustertal: Mai, Juni, August 2026, Sillian



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Deine Erfahrungen: Erkennst du dich in Tom, Sarah oder Michael wieder? Hast du schon Erfahrungen mit Prozessorientierung gemacht? Ich freue mich auf deine Kommentare und den Austausch!

 
 
 

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